Philipp Schwartz (Mediziner)

Philipp Schwartz (geboren am 19. Juli1894 in Werschetz, Österreich-Ungarn; gestorben am 1. Dezember1977 in Fort Lauderdale, USA) war ein österreichischer Pathologe. Er war Professor an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main (1927 bis 1933), in der Türkei Leiter der Pathologischen Abteilung der Universität Istanbul und Organisator beim Neuaufbau der dortigen Medizinischen Fakultät (1933 bis 1952) sowie ab 1954 Pathologe am Warren State Hospital in Pennsylvania.

Philipp Schwartz (1960)

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Schwartz wurde im Banat geboren. Sein Vater war Kaufmann und gehörte dem Reformjudentum an. Schwartz war österreichisch-ungarischer Soldat im Ersten Weltkrieg. Nach seinem Medizinstudium in Budapest ging er 1919 nach Frankfurt am Main an das Pathologisch-anatomische Institut der dortigen Universität als Assistent von Bernhard Fischer. Nach seiner Habilitation 1923 wurde Schwartz Privatdozent und 1927 zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor für Pathologie ernannt (seinerzeit Deutschlands jüngster Professor). Zeitweise war er auch an der Universität Belgrad tätig.[1]:S. 75

Schwartz wurde als jüdischer Professor aufgrund des am 7. April 1933 erlassenen „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ fristlos entlassen. Bereits im März 1933 floh er in die Schweiz.

Nach eigener Aussage fuhr Schwartz mit seiner Familie am 23. März 1933 mit dem Nachtzug nach Zürich, kam dort also am darauffolgenden Tag an.[2] In Zürich lebten Schwartz’ Schwiegereltern, sein Schwiegervater Sinai Tschulok führte dort eine Privatschule. Schwartz erkannte die ausweglose Lage hunderter deutscher Wissenschaftler und gründete wohl im April 1933 in Zürich eine „Zentralberatungsstelle für deutsche Gelehrte“, später als Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland bekannt, die ihre Büros in einem Gebäude hatten, das heute von der Kantonsschule Rämibühl genutzt wird.

Schwartz nahm sehr bald den Kontakt in die Türkei auf, denn er hatte davon erfahren, dass hier seit 1932 der Genfer Pädagogikprofessor Albert Malche im Auftrag des türkischen Staatspräsidenten Kemal Atatürk und seines Erziehungsministers Reşit Galip mit der Aufgabe befasst war, das türkische Hochschulwesen zu analysieren und zu reformieren. Eine Neugründung der Universitäten nach westlichem Vorbild wurde angestrebt. Dafür eignete sich aber nur ein Teil der bisherigen Professoren. Nach türkischen Quellen wurden von den 240 Hochschuldozenten 157 entlassen, darunter allein 71 Professoren und Ordinarien, so dass europäische Hochschullehrer gefragt waren.

Am 5. Juli 1933 kam Schwartz nach Istanbul, wo er von Kerim Erim, dem Dekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät, empfangen wurde, und reiste anschließend nach Ankara. Bei seinem Besuch in Ankara am 6. Juli konnte Schwartz den Kultusminister Reșit Galip davon überzeugen, dass es genug qualifizierte Kandidaten gebe, die das Deutsche Reich verlassen müssten, so dass über die „Notgemeinschaft“ 30 ordentliche Professuren in Istanbul besetzt werden konnten. Am 7. Juli erfolgte in Ankara ein zweites Treffen mit Galip, der Schwartz von der Zufriedenheit Kemal Atatürks mit dem Ergebnis der Konferenz und über die geplante Eröffnung der neuen Universität am 1. August informierte. Schwartz, der nach dem Wunsch der türkischen Regierung möglichst schnell die Anstellungsverträge mit den deutschen Professoren abschließen und in die Türkei zurückkehren sollte, hat über die Gespräche in seiner Schrift Notgemeinschaft berichtet. Schwartz fuhr in die Schweiz zurück, nahm von Zürich aus Kontakt zu Professoren auf, erhielt dabei auch Zusagen von in Konzentrationslagern Inhaftierten (unter anderem Alfred Kantorowicz) und kam am 25. Juli wieder in die Türkei, wo er Galip eine Liste mit den für die Lehrstuhlbesetzungen an der neuen Universität Istanbul vorgesehenen deutschen Professoren überreichte. Mit angereist war der Chirurgieprofessor Rudolf Nissen, der anstelle des in Berlin nicht abkömmlichen, ebenfalls von der türkischen Regierung eingeladenen Ferdinand Sauerbruch nach Istanbul kam.[1]:S. 44–48

Nach dem Rücktritt von Galip im August 1933 bestätigte sein kommissarischer Nachfolger Refik Saydam, der bis zum Amtsantritt Bayurs am 27. Oktober 1933 als solcher tätig war, Schwartz und Nissen die Gültigkeit aller unterschriebenen Verträge. Daraufhin kehrten die beiden Professoren nach Zürich zurück.[1]:S. 47 f.

Im akademischen Jahr 1933/34 nahmen an der Universität Istanbul bereits 42 deutsche Professoren ihre Arbeit auf – von Arndt (Leiter des chemischen Instituts) bis Winterstein (Leiter des Physiologischen Instituts). Gemäß Schwartz, der am 27. Oktober mit dem Schiff angekommen war, trafen von Oktober bis November 1933 die vertraglich verpflichteten Professoren mit ihren Familien und Assistenten in Istanbul ein – insgesamt 150 Personen.[1]:S. 47 f. Eine türkische Quelle beziffert die Gesamtzahl ausländischer Professoren von 1933 bis 1953 auf 220, darunter 166 Deutsche, bei denen die Emigranten überwogen.

Schwartz, 1933 von der Türkei als Ordinarius an die Istanbuler Universität berufen, übernahm im Oktober 1933 das Institut für Pathologie der Medizinischen Fakultät.[1]:S. 47–50 und 75–77

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