Ammonios Hermeiou

Ammonios Hermeiou (altgriechisch Ἀμμώνιος τοῦ Ἑρμείου

Ammṓnios tou Hermeíou, auch Ammonios von Alexandria, lateinisch Ammonius Hermiae; * zwischen 435 und 450 in Alexandria; † vermutlich nach 517) war ein einflussreicher spätantikerPhilosoph. Er gehörte der damals in der Philosophie dominierenden neuplatonischen Richtung an. Sein zur Unterscheidung von gleichnamigen Philosophen dienender Beiname Hermeiou bedeutet Sohn des Hermeias.

Eine Seite einer 1290/1291 geschriebenen Handschrift von Ammonios’ Isagoge-Kommentar. Florenz, Biblioteca Medicea Laurenziana, Plut. 71,35, fol. 44r

Ammonios studierte in Athen. Nach dem Abschluss seiner Ausbildung kehrte er in seine Heimatstadt Alexandria zurück, wo er Unterricht erteilte und eine Tradition der Aristoteles-Kommentierung begründete, die von seinen Schülern fortgesetzt wurde. Er kommentierte auch die Isagoge, eine sehr verbreitete Einführung des Neuplatonikers Porphyrios zu den Kategorien, einer grundlegenden Schrift des Aristoteles zur Logik. Da sich Ammonios nicht zur christlichen Staatsreligion bekannte, wurde er in einen Konflikt der paganen Neuplatoniker mit dem Patriarchen von Alexandria verwickelt, den er jedoch für sich und seine Schule durch eine Vereinbarung mit dem Patriarchen beilegen konnte.

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Die Geburt des Ammonios wird nach einer älteren Forschungsmeinung zwischen 435 und 445, nach einem neueren Ansatz zwischen 437 und 450 datiert.[1] Sein Vater war der ägyptische Neuplatoniker Hermeias von Alexandria, seine Mutter Aidesia, eine Verwandte des Philosophen Syrianos, der in den 430er Jahren die renommierte Athener Philosophenschule als Scholarch leitete. Hermeias hatte Aidesia in Athen kennengelernt, als er dort bei Syrianos studierte. Die Athener Schule, die an die Tradition der Platonischen Akademie anknüpfte, war damals das bedeutendste Zentrum des Platonismus und daher für Lernbegierige aus Ägypten attraktiv.[2]

Hermeias kehrte nach dem Ende seiner Studienzeit in seine Heimatstadt Alexandria zurück. Dort erhielt er eine Anstellung als öffentlich besoldeter Philosophielehrer. Mit seiner Gattin Aidesia hatte er drei Söhne, von denen der älteste im Alter von sieben Jahren starb. Ammonios war der zweitälteste. Hermeias starb wohl um 450.[3]

Nach dem Tod des Hermeias setzte die Witwe Aidesia durch, dass seine Stelle nicht neu besetzt wurde, sondern für seine beiden überlebenden Söhne, Ammonios und dessen jüngeren Bruder Heliodoros, reserviert blieb. Die Brüder standen noch in jugendlichem Alter. Die Stadt Alexandria zahlte das Gehalt des Verstorbenen als Unterhalt für seine Söhne weiter. Aidesia übersiedelte mit ihren Kindern nach Athen, um ihnen die bestmögliche philosophische Ausbildung zu verschaffen. In der Athener Philosophengemeinschaft wurden Ammonios und Heliodoros Schüler des berühmten Neuplatonikers Proklos, der die Nachfolge des Syrianos angetreten hatte. Ammonios tat sich besonders in Geometrie und Astronomie hervor.[4]

Nach der Studienzeit, die fünf bis sechs Jahre gedauert haben dürfte, ließen sich Aidesia und ihre Söhne wieder in Alexandria nieder. Während Heliodoros als Astronom tätig war – von einer philosophischen Aktivität ist nichts bekannt –, wurde Ammonios Lehrer. Er konnte wohl die freigehaltene Stelle seines Vaters übernehmen. Neben Philosophie unterrichtete er auch Geometrie und Astronomie; insbesondere behandelte er in seinen Lehrveranstaltungen die Astronomie des Ptolemaios. Im Mittelpunkt seines Philosophieunterrichts standen die Lehren Platons und des Aristoteles. Daneben beteiligte sich Ammonios an den astronomischen Forschungen seines Bruders.[5]

Zu Ammonios’ Schülern zählte der namhafte Neuplatoniker Damaskios, der – damals noch sehr jung – in eine nähere Beziehung zu der Philosophenfamilie trat; offenbar stand er Aidesia nahe, denn er hielt ihr die Grabrede, die er mit Versen schmückte.[6] Später verfasste Damaskios die Philosophische Geschichte (früher Vita Isidori genannt), welche die Hauptquelle für das Leben des Ammonios ist; sie ist allerdings nur fragmentarisch erhalten. Nach den Angaben des Damaskios war Ammonios sehr fleißig, und seine Aristoteles-Kommentierung war die hilfreichste von allen.[7]

Ausgrabungen in Alexandria, über die 2007 berichtet wurde, haben Überreste eines ausgedehnten Gebäudekomplexes freigelegt, den möglicherweise neben anderen Lehrern auch Ammonios für seine Lehrveranstaltungen nutzte.[8]

Dass Ammonios 517 noch am Leben war, wird in der Forschung gewöhnlich angenommen, doch einen Beweis dafür gibt es nicht.[9] Auch für die in der Forschungsliteratur mitunter wiedergegebene Annahme, dass er 526 bereits verstorben war, fehlt ein eindeutiger Beleg. Ein Indiz bietet der Umstand, dass sein Schüler Olympiodoros der Jüngere 565 noch aktiv war; dies spricht dafür, dass Ammonios zumindest im zweiten Jahrzehnt des 6. Jahrhunderts noch Unterricht erteilt hat.[10]

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