Detroit

Detroit ist mit ca. 680.000 Einwohnern (über 4 Millionen im Ballungsraum) die größte Stadt im US-Bundesstaat Michigan und nach Chicago und Toronto eine der größten im Bereich der Großen Seen. Detroit ist das angestammte Zentrum der amerikanischen Automobilindustrie. Wolkenkratzer im Art-Déco-Stil zeugen von der Goldenen Zeit der „Motor City“. Durch den Niedergang der Autoindustrie und die Suburbanisierung ist die Bevölkerung seit den 1960er-Jahren stark geschrumpft und die Stadt machte einen schweren Strukturwandel durch. Detroit ist aber auch ein bedeutendes Zentrum der amerikanischen Musikszene (Soul und R’n’B des Labels Motown, Alice Cooper, Eminem).

Detroit
Bundesstaat Michigan
Einwohner
680.250 (2013)
Höhe
183 m
keine Touristinfo auf Wikidata:
Lage
Lagekarte von Michigan in den USA
Detroit

Geografisch bildet Detroit insofern eine Kuriosität, als die Stadt nördlich von Kanada liegt: am südlichen Ufer des Detroit River, der beide Länder scheidet, liegt die kanadische Stadt Windsor.

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Der französische Kapitän Antoine de la Mothe Cadillac gründete 1701 das Fort Pontchartrain du Détroit. Détroit ist das französische Wort für ‚Meerenge‘ oder ‚Wasserstraße‘ und bezieht sich auf die heute als Detroit River bekannte Verbindung zwischen Huronsee und Eriesee. In der Gegend siedelten sich europäische Kolonisten an, die unter anderem vom Fellhandel lebten. Das Fort wurde im Siebenjährigen Krieg 1760 von den Briten erobert, die den Namen zu Detroit verkürzten. Seit dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gehört es zu den USA. Detroit war ab 1805 Regierungssitz des Michigan-Territoriums und später des Bundesstaats Michigan, bis 1847 Lansing zur neuen Hauptstadt gewählt wurde. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war Detroit eine Kleinstadt. Anschließend wuchs die Bevölkerung rapide und kontinuierlich, in den 1870er-Jahre wurde die Marke von 100.000 überschritten. Im Gilded Age entstanden prächtige Villen reicher Unternehmer und Reeder.

Ecke Michigan & Griswold um 1920

Entscheidend für die Entwicklung von Detroit war aber die Automobilindustrie. Der schottische Einwanderer David Dunbar Buick gründete hier 1899 die Buick Auto-Vim and Power Company (später Buick Motor Company). Im Jahr darauf gründeten die Brüder Horace und John Dodge ihre Dodge Brothers Company. Henry Ford gründete zunächst 1901 die Cadillac Motor Company und – nachdem er sich mit den Investoren zerstritten hatte – 1903 die Ford Motor Company. Der Investor William C. Durant kaufte Buick, Cadillac und weitere Autohersteller auf und fasste sie 1908 zu General Motors zusammen. Gemeinsam mit Louis Chevrolet rief er 1911 Chevrolet als weitere Marke ins Leben. Walter Chrysler war zunächst Manager bei Buick, bevor er 1925 seine eigene Firma, die Chrysler Corporation, gründete. Ford, GM und Chrysler wurden in der Folgezeit als „die großen Drei“ der US-Automobilindustrie tituliert. „Detroit“ wurde als Synonym für die amerikanische Autobranche verwendet, so wie man mit „Wall Street“ die Finanzwirtschaft bezeichnet.

Das Penobscot Building war von 1928 bis 1977 das höchste Gebäude in Detroit.

In den 1910er-Jahren erlebte die Bevölkerung einen rasanten Boom: Binnen eines Jahrzehnts verdoppelte sich die Einwohnerzahl auf 990.000 und Detroit war nach New York City, Chicago und Philadelphia die viertgrößte Stadt der USA. Dementsprechend gab es eine rege Bautätigkeit. In diesem Jahrzehnt entstanden auch die ersten Wolkenkratzer, das 99 Meter hohe Chrysler House gilt als der älteste unter ihnen. Auch in den 1920er- und 30er-Jahren wurde weiter fleißig gebaut. Der vorherrschende Architekturstil jener Zeit war das Art Déco, weshalb Detroit eine der Hochburgen des amerikanischen Art Décos ist. Der aus dem Hunsrück eingewanderte Albert Kahn (1869–1942) galt in jener Zeit als der „Architekt von Detroit“. Sein Architekturbüro entwarf zahlreiche charakteristische Fabrikhallen, Büro- und Appartementgebäude sowie Privatanwesen. Detroit war auch ein wichtiges Ziel der Great Migration von Afroamerikanern aus den Südstaaten. War 1910 nur ein Prozent der Bevölkerung schwarz, waren es 1950 bereits 16 Prozent.

Die Verbreitung des Automobils und der Bau von Highways und Schnellstraßen begünstigten die Entstehung von Suburbs. Vor allem weiße Bewohner der Mittelschicht zogen aus den innenstadtnahen Vierteln in Einfamilienhaus-Siedlungen außerhalb der Stadt, was als „White Flight“ beschrieben wird. Dies hatte zur Folge, dass die Bevölkerungszahl der eigentlichen Stadt Detroit ab 1950 zurückging und der Anteil der afroamerikanischen Bevölkerung immer weiter stieg. Im Juli 1967 kam es zu heftigen Rassenunruhen, die 43 Menschen das Leben kosteten. Wurde der Bevölkerungsrückgang im eigentlichen Stadtgebiet zunächst durch eine Zunahme in den Vororten ausgeglichen, zogen infolge der Krise der Autoindustrie in den 1970er Jahren einige Bewohner aber auch ganz aus dem Raum Detroit weg in andere Teile der USA. Die Stadt Detroit hat seit 1950 fast ein Drittel ihrer Bevölkerung verloren, 35 Prozent des Stadtgebiets sind unbewohnt. Die verbliebenen Einwohner sind zu über 80 % Schwarze, zu 7 % Latinos, „nicht-hispanische Weiße“ machen nur noch 8 % der Bevölkerung aus. Detroit ist damit die Großstadt mit dem höchsten afroamerikanischen Bevölkerungsanteil.

Die soziale Situation ist prekär. Jeder fünfte Jugendliche bricht die High School ohne Abschluss ab (USA: 13 %). Nur 14 % der Erwachsenen haben einen Bachelorabschluss (USA: 30 %). 12 % der Detroiter sind erwerbslos (USA: 5 %). Nur in einem Drittel der Familien sind zwei verheiratete Elternteile anwesend (USA: 73 %); bei mehr als drei Viertel aller Geburten sind die Mütter unverheiratet (USA: 35 %); beides ist in den USA nicht wie in Europa Ausdruck von Lifestyleentscheidungen, sondern tendenziell ein Zeichen sozialer Not. Trotz des wachsenden Wohnungsleerstandes und damit drastisch sinkender Immobilienpreise wohnen nur 48 % der Detroiter im Eigenheim (USA: 64 %).

Berry Gordy Jr. gründete 1959 die Plattenfirma Tamla Records und 1960 Motown Records, das in den 1960er- und 70er-Jahren zum wichtigsten Label für Soul- und R’n’B-Musik wurde. Hier standen u. a. Marvin Gaye, Diana Ross, Lionel Richie, Stevie Wonder und The Jackson Five mit dem jungen Michael Jackson unter Vertrag. Ebenfalls aus Detroit stammt Alice Cooper. In neuerer Zeit stehen für die Detroiter Musikszene Eminem, The White Stripes, aber auch der Detroit Techno.

Eine Reihe erfolgreicher Filme spielt in Detroit oder wurde dort gedreht, z. B. Beverly Hills Cop, 8 Mile, Die Insel, Transformers, Gran Torino, Only Lovers Left Alive, Batman v Superman und Don’t Breathe.

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