Irene Gut Opdyke

Irene Gut Opdyke (geboren als Irena Gut am 5. Mai1922 in Kozienice, Polen, gestorben am 17. Mai2003 in Fullerton, Kalifornien) war eine polnischeKrankenschwester, die einer Reihe von der Schoa bedrohten Menschen jüdischer Herkunft das Leben rettete. Sie wurde 1982 als Gerechte unter den Völkern ausgezeichnet.[1]

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Irena Gut entstammte einer katholischen Familie eines kleinen Dorfes im Osten Polens, sie war eine von fünf Töchtern. Die Familie übersiedelte von ihrem Geburtsort Kozienice nach Chelm und von dort nach Radom, wo sie eine Krankenpflegeschule besuchte. Nach dem deutschen Überfall auf Polen zu Beginn des Zweiten Weltkrieges schloss sie sich dem Widerstand an, versteckte sich im Wald nahe Ternopil, wurde jedoch von Russen aufgespürt, vergewaltigt und im Schnee liegen gelassen, um zu sterben. Sie überlebte und wurde zur Arbeit in einem Lazarett gezwungen. Sie floh nach Kiew, wurde erneut verhaftet und floh wieder. Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion, der 1941 mit der Okkupation Ostpolens begann, wurde sie von den deutschen Besatzern in einer Kirche von Radom aufgegriffen und zur Arbeit in einer Munitionsfabrik gezwungen. Dort fiel sie ob der schweren Arbeit in Ohnmacht bzw. wurde krank.[2] Sie fiel Major Eduard Rügemer auf, wohl auch wegen ihres blonden Haars und ihres guten Aussehens. Der Major verschaffte ihr daraufhin leichtere Arbeit in einer Mensa für deutsche Offiziere. Von dort aus beobachtete sie, wie SS-Männer unbewaffnete Ghetto-Insassen erschossen und Kampfhunde auf sie hetzten. Als sie gerade laut aufschreien wollte, hielt ihr der deutsche Koch Schulz den Mund zu: „Nicht schreien. Sie könnten glauben, Du bist eine Freundin der Juden!“ Von da an war ihr Lebensziel, den Verfolgten zu helfen. Aus der Küche der Mensa beschaffte sie übrig gebliebenes Essen und brachte es an den Stacheldraht des Ghettos. Sie wusste, dass Hilfe für die Deportierten mit dem Tode bestraft wurde.

Im April 1942 kam sie mit der Kompanie des Majors nach Lwów und befreundete sich mit Helen Weinbaum, einer ebenfalls katholischen Polin, die mit einem Mann jüdischer Herkunft verheiratet war. Wiederum musste sie ohnmächtig zusehen, wie Deutsche Jagd machten auf Menschen jüdischer Herkunft und all jene erschossen, die nicht schnell genug laufen konnten. Zum Trauma ihres Lebens jedoch wurde eine furchtbare Szene: Ein SS-Mann entriss einer Mutter ihr Baby, warf es in die Luft und schoss es ab „wie einen Vogel.“ Danach erschoss der SS-Mann auch noch die entsetzte Mutter des Babys. Irene Gut konnte nicht glauben, was sie sah: „Oh Gott! Mein Gott! Wo bist Du!“[3] In der folgenden Nacht betete sie, flehte um Verstehen: „Am Morgen kam die Einsicht – in meiner Seele, in meinem Herz: Gott gibt uns den freien Willen, gut oder böse zu sein.“ Und sie stellte eine Forderung an Gott: „Hilf mir helfen!“ Danach begann sie, jüdische Häftlinge mit Informationen aus der Mensa zu versorgen und aus dem Ghetto in polnische Wälder zu schmuggeln.

Die Einheit des Majors wurde erneut verlegt, nunmehr nach Ternopil, wo Irene Gut schlechte Erfahrungen mit Soldaten der Roten Armee gemacht hatte. Auf dem Marktplatz musste sie der Hinrichtung eines jüdischen Ehepaares und des Polen, der sie versteckt hatte, beiwohnen. Alle drei wurden öffentlich gehenkt. Als sie später den Haushalt von Major Rügemer führte, versteckte sie in dessen Keller zwölf Frauen und Männer jüdischer Herkunft. Darunter war auch der Mann ihrer Freundin Helen, Henry Weinbaum. Der Major entdeckte dies durch Zufall, als er frühzeitig nach Hause kam und zwei der versteckten Frauen ihr bei der Haushaltsführung halfen. Sie war sich in der Folge sicher, er würde die Gestapo benachrichtigen: „Irene, ich will Dich nicht ausliefern, aber ich habe meine Anweisungen“. Irene Gut flehte um das Leben dieser Menschen. Für den Major wäre eine Anzeige wohl auch peinlich gewesen. Es kam zu einer Übereinkunft: Sie wurde die Geliebte des deutlich älteren Mannes, damals um die 60, er verschonte die zwölf Menschen.[4] Irene Gut schreibt in ihrem Buch, das Zugeständnis sei „schlimmer als Vergewaltigung“ gewesen. Einige Jahre später sagt sie in einem Interview: „A small price to pay for so many lifes.“ (Ein niedriger Preis für so viele Leben.)

Sie vertraute sich einem Priester an und erhoffte die Absolution ihrer Affäre. Der Priester verlangte jedoch von ihr, das Arrangement zu beenden und die zwölf Juden zu opfern. „Well, I could not agree with this …“ (Nun, ich konnte ihm nicht zustimmen …), war ihre Antwort. Unter den Versteckten befand sich auch eine schwangere Frau. Die Gruppe wollte die Abtreibung, weil die Schreie eines Neugeborenen alle zwölf in Gefahr bringen würden. Irene Gut widersetzte sich und Roman Haller kam am 10. Mai 1944 zur Welt. Er überlebte NS-Regime und den Holocaust.[5] Herschel Morks, einer von weniger als 200 Überlebenden der einst 18.000 Menschen zählenden jüdischen Gemeinde von Ternopil, betonte, Irene Gut Opdyke habe nicht nur sein Leben dreimal gerettet, sondern auch das seiner Frau, seines Bruders und seiner Schwägerin. Anfang 1944 flüchtete sie mit ihren zwölf jüdischen Überlebenden in die polnischen Wälder, versteckte sich dort, musste sich jedoch von ihnen trennen. Als die Rote Armee Polen eroberte, wurde sie erneut verhaftet. Wiederum gelang ihr die Flucht. Die von ihr geretteten Menschen halfen ihr nunmehr, als Jüdin getarnt, nach Kriegsende in die amerikanische Besatzungszone Deutschlands zu gelangen.[6]

Gut arbeitete nach dem Untergang des NS-Regimes in einem Camp for Displaced Persons in Westdeutschland. Ein amerikanischer Diplomat, William Opdyke, teilte ihr mit, die Vereinigten Staaten wären stolz, sie als Staatsbürgerin willkommen zu heißen. Daraufhin ging sie 1948 oder 1949 in die USA. Wenige Jahre später traf sie denselben Mann in New York wieder, heiratete ihn 1956 und die beiden bekamen eine Tochter. Sie arbeitete als Innenausstatterin und sprach nicht oder nur wenig über ihre Erlebnisse während des NS-Regimes. Bis eines Tages ein Student für eine Umfrage anrief und die Frage stellte, ob der Holocaust in ihren Augen tatsächlich stattgefunden habe. „That put me on fire“ (Das erzürnte mich!), soll ihre Reaktion gewesen sein. „Wie kann jemand so etwas fragen? Ich war doch dort.“[7]

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