Ernste Bibelforscher

Die Ernsten Bibelforscher sind eine christliche Gemeinschaft, die im späten 19. Jahrhundert entstand und aus denen sich u. a. die heutigen Zeugen Jehovas herausbildeten. Sie betrachten sich als Bewahrer der Lehren von Charles Taze Russell. Nach der statutengemäßen Übernahme der Präsidentschaft der Wachtturm-Gesellschaft durch J. F. Rutherford kam es zu heftigen Machtkämpfen, in deren Folge sich eine beträchtliche Anzahl Ernsten Bibelforscher von der Wachtturm-Gesellschaft trennten. Die Ernsten Bibelforscher sind deshalb nicht zu verwechseln mit den heutigen Zeugen Jehovas, mit denen sie ursprünglich die gleiche Bezeichnung teilten. Durch diese Kontroversen, die von 1916 bis 1919 andauerten, zerbrach die Gruppe in diejenigen, die den Lehren Russells treu blieben und deswegen auch die Bezeichnung Ernste Bibelforscher beibehielten, während die anderen Verschiedenes reformierten, woraus die heutigen Zeugen Jehovas entstanden. Gegenwärtig gibt es ca. 16.000 Ernste Bibelforscher weltweit.

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Die Ernsten Bibelforscher entstanden aus der sogenannten Bibelforscherbewegung, die im späten 19. Jahrhundert begann, als Charles Taze Russell die Watch Tower Bible and Tract Society gründete. Seine Mitglieder nannten sich selbst „Internationale Bibelforscher“ und wurden in Deutschland als „Ernste Bibelforscher“ bekannt. Unter seiner Leitung bildeten sich in vielen Ländern der Welt Bibelforscherversammlungen. Diese Versammlungen waren eine lose Verbindung und nur durch die Zeitschrift „Zions-Wachtturm und Verkünder der Gegenwart Christi“ verbunden. Die Wachtturm-Gesellschaft war zu Russells Zeiten ein Organ der Bibelforscherversammlungen und anderer Tätigkeiten, aber sie schrieb keine Kredos oder Richtlinien für die damals unabhängigen Versammlungen vor, sondern erarbeitete Empfehlungen und Organisations-Vorschläge, die ihrer Überzeugung nach auf schriftgemäßer Grundlage beruhten sowie in der täglichen Praxis der Versammlungen von Pennsylvanien und New York ihrer Meinung nach sich als bewährt herausstellten.

  • 1916–1919: Nach dem Tod von Charles Taze Russell fing die Wachtturm Bibel- und Traktatgesellschaft an, sich über die unabhängigen Versammlungen als oberste Institution zu stellen. Sie bezog sich dabei auf die Vorgehensweise der Judenchristen, die sich um die Stadt Jerusalem zu Gemeinden konstituierten. Viele Versammlungen lehnten es jedoch ab, das Prinzip der demokratischen Wahl von Ältesten oder Predigern, die Verantwortung in den Versammlungen trugen, aufzugeben; von da an begann die Zeit der Trennung. Schon 1916 fing diese Abspaltung aus der Wachtturm-Gesellschaft an. 1918 wurde auf der Hauptversammlung in New Jersey schließlich das Pastorale Bibel-Institut gegründet und erstmals eine eigene Zeitschrift, betitelt „The Herald of Christ’s Kingdom“, für die Bibelforscher herausgegeben.
  • 1929: Die Wachtturm-Gesellschaft ähnelte nicht mehr ihrem ursprünglichen Zustand. Weitere einzelne Bibelforscher und ganze Versammlungen verließen abermals die Wachtturm-Gesellschaft. So trennte sich in Pittsburgh (USA) die Bibelforscherversammlung, die in Russells alter Bibelhaus-Kapelle zusammenkam, von der Brooklyner Leitung. Von dieser Versammlung ging die Initiative zur Zusammenführung der zerstreuten, bisher völlig unabhängig lebenden Bibelforscher aus (1. Wiedervereinigungstagung 1929).
  • 1930: Eine ebenfalls seit langem unabhängige Versammlung in Brooklyn begann mit Rundfunkprogrammen über den örtlichen Sender. (Die Ältesten der Versammlung bildeten zugleich das Rundfunkkomitee zur Durchführung der Arbeit.) Damit hatte auch diese Versammlung ein überregionales Werk angefangen, das zur Zusammenarbeit Gleichgesinnter führte.
  • 1931: Durch eine neue Namensgebung wurde der Unterschied zwischen den verschiedenen Bibelforschern klarer. Die Bibelforscher der Wachtturm-Gesellschaft legten die Namen Bibelforscher und Ernste Bibelforscher ab, von nun an hießen sie Zeugen Jehovas. Die Bibelforscher behielten ihren Namen.
    • Aus der Sicht der heutigen Ernsten Bibelforscher wurde die Umbenennung vorgenommen, um zwischen den Bibelforschern der Wachtturm-Gesellschaft und denen zu unterscheiden, die von der Wachtturm-Gesellschaft unabhängig sind.
    • Aus der Sicht der Zeugen Jehovas wurde die Umbenennung vorgenommen, um eine biblische Basis (Jesaja 43, 10–12: „ihr seid meine Zeugen, ist der Ausspruch Jehovas“) für die Gruppenbezeichnung zu finden.
  • 1926: Die Wachtturm-Gesellschaft verlegte die von Charles Taze Russell herausgegebenen Schriftstudien nicht mehr und hat viele darin enthaltene Deutungen der Bibel mittlerweile verworfen.
  • 1931: Die 2. Wiedervereinigung der Bibelforscher wurde die Geburtsstunde der Tagesanbruch Bibelstudien-Vereinigung. Man koordinierte die in Pittsburgh und Brooklyn praktizierte Arbeit und schloss alle Bibelforschersammlungen zu einer lockeren Gemeinschaft zusammen. Durch Zeitschriften (Der Tagesanbruch), Traktate und eigene Rundfunk- und Fernsehsendungen besitzen die Ernsten Bibelforscher vor allem in den USA unter dem Namen Associated Bible Students einen gewissen Einfluss.

Die Tagesanbruch Bibelstudien-Vereinigung und das Pastorale Bibel-Institut verlegen die Schriftstudien von Charles Taze Russell nach Ablauf des Urheberrechts der Wachtturm-Gesellschaft bis heute.

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