Karl Wilhelm Jötten

Karl Wilhelm Jötten (* 4. März1886 in Essen; † 13. Mai1958 in Münster) war ein deutscherBakteriologe, Hygieniker und Eugeniker.

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Jötten studierte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität und war seit 1906 Mitglied der KDStV Bavaria Bonn.

Die Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin promovierte ihn 1912 zum Dr. med.[1] 1913 ging er an die Frauenklinik der Charité. 1915 wandte er sich der Bakteriologie und Hygiene zu. Er habilitierte sich 1920 an der Universität Leipzig.[2] 1923 zum Professor ernannt, wurde er 1924 auf den Lehrstuhl für Hygiene der Westfälischen Wilhelms-Universität berufen. Dort gründete er das Hygienische Institut und gliederte diesem am 1. September 1928 eine staatliche Forschungsabteilung für Gewerbehygiene an. Sein Hauptarbeitsgebiet war die Bekämpfung der Tuberkulose. Karl Wilhelm Jötten war vor, während und nach dem Dritten Reich Direktor dieses Instituts.

Nach der Reichstagswahl März 1933 bemühte sich Jötten um Aufnahme in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. Wegen seiner Bindungen an das katholische Milieu als politisch unzuverlässig abgelehnt, wurde er erst am 19. Mai 1936 rückwirkend zum 1. Mai 1933 unter der Mitgliedsnummer 2.477.280 aufgenommen.[3][4] 1933 erschienen unter seiner Leitung die ersten „Erbhygienischen Untersuchungen“. Mit einem Kollegen hatte Jötten diesbezüglich Untersuchungen an über 4.300 Hilfsschulkindern durchgeführt. Die Kinder im Alter zwischen 7 und 15 Jahren wurden gezählt, gewogen, vermessen und getestet.[5] 1935 vertrat er als Referent auf dem Internationalen Kongress für Bevölkerungswissenschaft zusammen mit Heinrich Reploh die These, dass Hilfsschüler „aus dem Fortpflanzungsprozeß ausgeschaltet“ werden müssten.[4]

Nach dem Ende des Krieges durfte er an der Westfälischen Wilhelms-Universität bleiben. Er widmete sich der Gewerbehygiene und Staublungenforschung. 1955 wurde er emeritiert.

Die Westfälische Wilhelms-Universität ließ nach kritischen Presseveröffentlichungen die Rolle Jöttens im Dritten Reich durch eine Kommission untersuchen.[6] Demnach habe Jöttens in seinen „Erbhygienische[n] Untersuchungen an Hilfsschulkindern“ eine Begründung für die Zwangssterilisation von etwa 100.000 Kindern in Deutschland geliefert. Die Publikation habe nicht den bereits damals geltenden wissenschaftlichen Standards entsprochen und war laut Kommission offensichtlich nur auf die Vorlage politisch verwertbarer Ergebnisse angelegt. Eine direkte Mitwirkung Jöttens bei den Verfahren zur Zwangssterilisation sei nicht nachweisbar. Er habe aber bis 1945 weitere Dissertationen und Habilitationen zur Rassenhygiene und Rassenforschung betreut.[7]

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