Gesellschaftswissenschaftliches Grundstudium (DDR)

Das Gesellschaftswissenschaftliche Grundstudium war in der DDR für alle Studenten obligatorisch. Dazu gab es ab 1951 an allen Universitäten und Hochschulen ein Institut für Marxismus-Leninismus, nach der 3. Hochschulreform 1967 umbenannt in Sektion für Marxismus-Leninismus (ML), oder zumindest eine Abteilung für ML. Die ursprüngliche Bezeichnung war „Institut für Gesellschaftswissenschaften“.[1] Die Einrichtungen waren die Träger der für sämtliche Studenten, wissenschaftlichen Mitarbeiter, Doktoranden und Hochschullehrer vorgeschriebenen marxistisch-leninistischen Aus- und Weiterbildung. Mit dem Ende der realsozialistischen Diktaturen in Osteuropa nach den Revolutionen im Jahr 1989 wurden sie aufgelöst.

. . . Gesellschaftswissenschaftliches Grundstudium (DDR) . . .

Nach der Wiedereröffnung von Universitäten in der SBZ 1945 fanden im Rahmen der Ersten Hochschulreform ,Demokratische Kurse’ durch Politiker und Wissenschaftler statt, die einen antifaschistisch-demokratischen Tenor hatten. Auch Hochschuloffiziere der Roten Armee hielten in diesem Rahmen Vorträge.

Im Oktober 1946 wurde mit Unterstützung der SMAD erstmals an einer deutschen Universität in Jena ein Institut für Dialektischen Materialismus gegründet.[2]

Im Dezember 1946 erging an die Universitäten Leipzig, Jena und Rostock der Befehl Nr. 333 der SMAD zur Gründung Gesellschaftswissenschaftlicher Fakultäten (Gewifak) zur Kaderausbildung auf diesem Gebiet.[3] Die drei Gewifak nahmen 1947/48 zusammen 400 Studenten an, vorwiegend Studierende aus Arbeiterfamilien. Daraus sollten nach sowjetischem Vorbild auch Lehrkräfte für ein zukünftiges gesellschaftswissenschaftliches Grundstudium für alle Studenten ausgebildet werden. Noch vor der DDR-weiten Einführung wurde das Gesellschaftswissenschaftliche Grundstudium auf Veranlassung der Rektorin Eva Altmann obligatorischer Bestandteil des Studiums an der Hochschule für Planökonomie.[4]

Im Rahmen der Zweiten Hochschulreform 1951/52 erschien die Verordnung über die Neuorganisation des Hochschulwesens vom Februar 1951. Mit zentraler Steuerung durch ein Staatssekretariat für Hochschulwesen wurden u. a. eingeführt: ein gesellschaftswissenschaftliches Grundstudium als Pflichtfach für Studenten aller Fachrichtungen in der DDR, unter anleitender Aufsicht eines Prorektors für das Gesellschaftliche Grundstudium. Der Unterrichtserfolg in Grundlagen des Marxismus-Leninismus, Politischer Ökonomie und Dialektischem und Historischem Materialismus (Diamat) sollte kontrolliert werden durch Zwischenprüfungen am Ende jeden Studienjahres und eine Abschlussprüfung nach vier Jahren. Zur Durchführung des Grundstudiums wurden an allen Universitäten und Hochschulen Institute für Gesellschaftswissenschaften eingerichtet. Sie sollten sich gliedern in Abteilungen für Grundlagen des ML, der Politökonomie und des ,Diamat’. Es waren Planstellen zu schaffen für einen Institutsdirektor, weitere Professoren, Dozenten, Assistenten und Hilfsassistenten. Die Professoren und Dozenten des Gesellschaftswissenschaftlichen Grundstudiums sollten Mitglieder des Lehrkörpers der Hochschule sein. Die SED hatte eine Grundorganisation an den Instituten. Praktisch alle Hochschulkader der Institute waren Mitglieder der SED. 1958 wurden auf Anordnung des Staatssekretariats aus den ML-Dozenten in den verschiedenen Fakultäten Fakultätsabteilungen gebildet.

1960 wurden die Institute für Gesellschaftswissenschaften – unter Beibehaltung ihrer Funktion – in Institute für Marxismus-Leninismus umbenannt.

Die Dritte Hochschulreform der DDR mit dem Ziel des Umbaus zu sozialistischen Hochschulen erfolgte auf der Basis der Beschlüsse des 6. Parteitags der SED 1963. Sie wurde 1965 eingeleitet und 1968 praktisch umgesetzt. An den Universitäten und großen Hochschulen wurden die Institutsstrukturen durch Sektionen ersetzt (an kleineren Hochschulen blieben die Institute bestehen). So entstanden auch Sektionen für Marxismus-Leninismus mit einem Sektionsdirektor an der Spitze. Die Sektionen wurden im Allgemeinen dreigeteilt in Philosophische, Ökonomische und Historisch-Politikwissenschaftliche Disziplinen. Die Ordnung der Sektion ML der Universität Jena forderte 1968: Das Grundlagenstudium als Zentrum der Klassenerziehung müsse den ML in allen Bestandteilen „systematisch, parteilich, praxisverbunden und lebendig bei konsequenter Auseinandersetzung mit der modernen imperialistischen Ideologie“ vermitteln.[5]

. . . Gesellschaftswissenschaftliches Grundstudium (DDR) . . .

Dieser Artikel stammt von der Website Wikipedia. Der Originalartikel kann etwas gekürzt oder modifiziert sein. Einige Links wurden möglicherweise geändert. Der Text ist lizenziert unter “Creative Commons – Attribution – Sharealike” [1] und ein Teil des Textes kann auch unter den Bedingungen der “GNU Free Documentation License” [2] lizenziert werden. Für die Mediendateien können zusätzliche Bedingungen gelten. Durch die Nutzung dieser Website stimmen Sie unseren rechtlichen Seiten zu . Weblinks: [1] [2]

. . . Gesellschaftswissenschaftliches Grundstudium (DDR) . . .

Previous post ISO 3166-3
Next post Elisabeth Seidl